A Mano Negroamaro

A Mano Negroamaro – ein „No-Brainer“ aus Apulien

Photo by Michael Sinne

Ich wollte schon lange einen Qualitätswein besprechen, der deutlich unter der Zehn-Euro-Grenze liegt. Die von mir normalerweise besprochenen Weine landen ja leider doch meist in den oberen Preisregionen. Jetzt kam ich ganz unverhofft in den Genuss eines Weines, der Charakter, Frucht und die nötige Qualität vereint und sehr günstig vertrieben wird. Es ereignete sich vor kurzem bei unserem Weinhändler in Lüdinghausen (Wein Stork), der zur Neuheitenmesse geladen hatte. Zu meiner großen Überraschung und Freude fanden sich unter den Neuheiten drei italienische Winzer.

No-Brainer [Def.: Eine einfache oder offensichtliche Schlußfolgerung, Entscheidung, Aufgabe, etc.; etwas dass sehr geringes oder gar kein Nachdenken erfordert.]

A Mano Negroamaro

Besonders angetan hatte es mir dann der Winzer „A Mano“ aus Apulien. Die Geschichte dahinter ist spannend. Die beiden Inhaber (Marc Shannon aus den USA & Elvezia Sbalchiero aus dem Friaul) starteten 1999 ihr Projekt A Mano. Ende der 90er Jahre ergaben genetische Untersuchungen, dass der in Kalifornien oft angebaute Zinfandel identisch zum Negroamaro sei, welcher in Apulien als autochthone Sorte gilt. Die Neugier auf den Zinfandel-Zwilling trieb den kalifornischen Önologen Marc Shannon schließlich nach Apulien. Wie so viele vor ihm, erlag Marc den Reizen Italiens und er beschloss zu bleiben und dort Wein zu machen. Er konnte Elvezia Sbalchiero ebenfalls für dieses Vorhaben gewinnen, so dass kurz danach das Weingut „A Mano“ geboren war.

Die beiden konzentrieren sich seit der Gründung auf lokale Sorten wie den Negroamaro und Primitivo sowie auf „exotische“ Einheimische wie Aleatico und Susumaniello. Das Gut besitzt kaum eigene Rebflächen, alle Trauben werden von selektierten Winzern zugekauft, aber nur von sorgfältig ausgewählten, sehr guten Lagen.  Die Trauben für den Negroamaro stammen alle von einem Landstrich auf der Halbinsel von Salento, dem Absatz des italienischen Stiefels. Dort werden die Reben, nahezu auf Meereshöhe, im Spalier gezogen. Diese Anbaumethode schützt die Trauben am besten vor Verbrennungen durch die Sonne. Die nahe Küste sorgt zusätzlich für eine gewisse Luftfeuchtigkeit. Die Lese erfolgt von Hand und im Weinkeller herrscht eine Kombination aus traditionellen italienischen Methoden und modernen kalifornischen Ideen. Bei konstant kühler Temperatur erfolgt die Fermentation. Die Maische wird regelmäßig vorsichtig neu durchmischt, um möglichst viel an Aromen und Farbe zu gewinnen.

Nach Abschluss der Gärung wird der Negroamaro direkt auf Flaschen gezogen und geht in den Verkauf. Natürlich würde eine weitere Reifung, zumal wenn sie in Holz erfolgen würde, dem Wein gut tun und zu noch mehr Qualität verhelfen, aber dann wäre der Preis nicht mehr zu halten. Der Hauptgrund für die dennoch sehr gute Qualität liegt in den Trauben. Von insgesamt rund 250 kleinen Weinbauern werden nur die besten Trauben erworben. Genügt die Qualität  der Trauben in einem Jahr nicht, wird auch tatsächlich kein Negroamaro produziert, wie z.B. im Jahr 2014. 2015 wurden rund 80.000 Flaschen produziert.

Im Bouquet dominieren beim 2015er Negroamaro Kirsche und Schwarze Johannisbeere, leichte Nuancen von Pflaume und Aprikose und auch dezente blumige Noten sind vielversprechend. In der Ankunft kräftig, verbleibt er rund und weich in der Aromatik von Kirsche, schwarzer Johannisbeere und einer ansprechenden Mineralik. Auch der Abgang bleibt recht lang anhaltend und komplex, aber immer rund. Ich kann es nur noch mal betonen. Für einen Wein dieser Preisklasse bietet der noch junge Negroamaro eine überragende Qualität, kräftige Fruchtaromen und einen tollen Abgang. Ein paar Jahre in der Flasche dürften ihn noch besser machen. Bei dieser Rebe sollten 10-15 Jahre Lagerfähigkeit kein Problem darstellen. Der Negroamaro wird im Handel (stationär wie auch online) für 6-8,- Euro angeboten. Da kann man definitiv nichts falsch machen, ein echter „No-Brainer“ halt.

  • A Mano Negroamaro IGT
  • 100% Negroamaro
  • 14% Alkohol
  • nahezu Meereshöhe
  • Jahresproduktion 2015: 80.000 Flaschen
  • http://www.amanowine.com
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