Trieb der Corvina

Boscaini La Preosa Valpolicella Classico Superiore

Photo by Michael Sinne

Ich schätze am Valpolicella vor allem die große Vielfalt. Nicht unbedingt Vielfalt an unterschiedlich klassifizierten Weinen, sondern eher die Bandbreite innerhalb einer Klassifizierung. Es existieren Superiore von 6,- bis zu 60,- Euro, die auch qualitativ eher die Bandbreite vom einfachen Classico bis zum Top-Amarone abdecken, obwohl sie alle „nur“ Superiore sind. Einer dieser Sonderfälle ist auch der Superiore von Carlo Boscaini. An dem Weingut Boscaini schätze ich insbesondere die Einfachheit in Fragen des Vertriebs, der Präsentation und des Marketing. Hier wird nichts gehyped, gestyled oder überteuert. Grundsolides italienisches Familienbusiness. Und genau so kommt auch der La Preosa daher. Ein Superiore immerhin. Lagen-rein sogar von der höchst gelegenen Fläche des Weingutes „La Preosa“ bei S. Giorgio Ingannapoltron. Dort wachsen Corvina, Corvinone und Rondinella auf von Lehm durchzogenem Tuff für den Superiore. Die Reben dort werden im Guyot-System gezogen und sind mit 3.000 Pflanzen pro Hektar nicht sehr eng gepflanzt.

Valpolicella La Preosa Classico SuperioreDer La Preosa besteht aus 50% Corvina, 40% Corvinone und 10% Rondinella. Nach der Lese per Hand und der Einmaischung Ende September verbleibt die Maische für 20 Tage auf den Schalen und wird hierbei mehrfach umgewälzt. Mit Beendigung der Gärung wird der La Preosa für 12 Monate in großen Tonneau gelagert bevor er weitere drei Monate in der Flasche reift. Abgefüllt weist er einen Alkoholgehalt von 13% Vol. auf.

Im Glas leuchtet ein klares Kirschrot mit leichten braunen Reflexionen. Das Bouquet wird überraschenderweise nicht von den klassischen Kirscharomen dominiert. Hier kommen Vanille, Trockenobst und dunkle Schokolade zum Vorschein und natürlich auch Kirsche. Eine eher süße „Nase“. Auf der Zunge kommt er leicht und fruchtig daher, Kirsche und Pflaume vor allem. Für ein Jahr im Fass finden sich überraschend wenig Gerbstoffe. Trotzdem schmeckt er nicht nur leicht und süß, sondern eher rund. Erst nach längerem Schmecken finde ich Sekundäraromen aus dem Bouquet wieder: Leichte Vanille und auch Trockenobst.

Der La Preosa ist in meinen Augen eher ein sehr guter Classico denn ein Superiore, obwohl er alle Spezifikationen erfüllt. Leicht, fruchtig und rund, nie aufdringlich. Nicht falsch verstehen, ich schätze einen guten Classico sehr, selbst wenn er Superiore heißt. Zumal er vor Ort zu einem heftig günstigen Preis erworben werden kann. Mal wieder ein Eintrag in den Top-10 der Weine unter 10 Euro!

  • La Preosa Valpolicella DOC Classico Superiore
  • 50% Corvina, 40% Corvinone, 10% Rondinella
  • 13% Alkohol
  • S. Giorgio Ingannapoltron
  • 12 Monate Fassreife, 3 Monate Flaschenreife
  • https://www.boscainicarlo.it
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