Moropio

Antolini Amarone della Valpolicella – Moropio

Photo by Michael Sinne

Vor zwei Jahren hatte ich über das Weingut der Brüder Pier Paolo und Stefano Antolini berichtet und damals besonders die beiden Amarone gelobt, welche mit einer recht unterschiedlichen Charakteristik ausgebaut wurden. Der 2012er Jahrgang, den ich damals mit Heim brachte, hatte nun zwei weitere Jahre Zeit, im Keller zu reifen und wurde nun erneut von mir verkostet.

Antolini Amarone della Valpolicella - MoropioDie Trauben für den Moropio entstammen ausschließlich von der gleichnamigen Fläche in der Nähe des Weingutes. Auf ca. 350m über Meereshöhe wachsen hier Corvina, Corvinone, Rondinella und Molinara in Südostausrichtung auf einem lehmigen schweren Untergrund. Gezogen wurden die in den 70er Jahren gesetzten Reben nur in der klassischen Veroneser Pergola. Ich möchte an dieser Stelle nochmals besonders darauf hinweisen, dass bei Antolini gänzlich ohne Pestizide oder Kunstdünger gearbeitet wird. Ein entsprechend behandelter Boden unterscheidet sich von konventionell bewirtschafteten Böden sehr deutlich. Die Bodenschichten weisen eine deutlich diversifizierte Flora und Fauna auf und sind insgesamt lockerer. Das ist in vielerlei Hinsicht wichtig: Viele Mikroorganismen leben quasi in Symbiose mit den Wurzeln der Reben. Die Pflanze erfährt eine bessere Versorgung mit Feuchtigkeit und allen wichtigen Spurenelementen.

Die Trauben für den Moropio werden Ende September von Hand geerntet und verlesen. Bei Antolini wird ganz traditionell in flachen Holzkisten nur natürlich getrocknet, will sagen keine Klimakammer, sondern nur natürliche Lufttrocknung. Nach rund 120 Tagen haben die Beeren schließlich rund 40-50% ihrer Flüssigkeit verloren. Vorsichtig gemahlen erfahren die Trauben die erste „kalte“ Mazeration. Bei ca. 18°C verbleibt die Maische für 7-10 Tage auf der Schale. Anschließend erfolgt für rund 20 Tage die eigentliche Fermentation in großen Stahltanks. Die Reifung des Weins erfolgt danach für 2 Jahre in kleinen Barriques unterschiedlicher Beschaffenheit. Die Fässer sind gefertigt aus Eiche, Kirschholz, Kastanie und Hölzern des Maulbeerbaums.
Diese „Fässer-Mischung“ habe ich noch bei keinem anderen Winzer angetroffen. Pier Paolo schwört auf die breite Aromatik, die sich daraus ergibt.

Verkostet habe ich erneut den 2012er Jahrgang, der jetzt nach sieben Jahren ausreichend gereift sein sollte. Im Glas bietet sich ein klares Rubin-Rot. Das Bouquet ist überraschend vielschichtig: Sauerkirsche, Veilchen, dezente Kräuteraromen und ein leicht süßlicher Duft. Auf der Zunge wird es dann noch komplexer. Zu Sauerkirsche und Kräutern gesellen sich Aromen von Pflaumen, Holunder, Vanille sowie leicht pfeffrige Anklänge. Eine breites Spektrum, welches aber gut strukturiert ist; mit dezenten Tanninen, die sich jederzeit wohltuend unter die Aromen legen. Der Abgang könnte länger sein, aber das tut dem hervorragenden Gesamteindruck keinen Abbruch. Ein vielschichtiger Amarone, der zum Nachschmecken und Nachschenken motiviert.

  • Antolini Amarone della Valpolicella DOCG . Moropio
  • Corvina, Corvinone, Rondinella, Molinara
  • 15,5% Alkohol
  • Prognol (Marano), Veneto, Italien
  • 24 Monate Reife im Barrique, 12 Monate Flaschenreife
  • http://www.antolinivini.it/
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