Tenuta Santa Maria Valverde Classico Superiore

Tenuta Santa Maria Valverde Valpolicella Classico Superiore DOC

Photo by Michael Sinne

Es ist schon ein halbes Jahr vergangen seit meinem Besuch bei der Familie Campagnola, aber mir ist noch gut in Erinnerung welchen Eindruck die Weine auf mich gemacht haben. Insbesondere die rigorose Auswahl und Konzentration bei Ernte und Weiterverarbeitung kommen mir wieder in den Sinn, als ich den Superiore öffne. Selbiger wird aus 60% Corvina und Corvinone, 20% Rondinella, 15% Oseleta und 5% Molinara gekeltert. Die recht hohen Anteile von Rondinella und Oseleta sind mittlerweile doch eher ungewöhnlich im Valpolicella. Die Reben der beteiligten Sorten wachsen auf terrassierten Flächen auf ca. 450m über Meereshöhe in Südausrichtung. Gezogen vollständig in der Veroneser Pergola, wachsen sie auf einem von Lehm durchzogenem und von kalkhaltigem Tuff dominierten Boden.

Tenuta Santa Maria Valverde Classico SuperioreNach der strikten Lese per Hand in der zweiten Oktoberhälfte und der sanften Pressung darf der Most auf der Schale für 15 Tage in Stahltanks erstmalig gären. Dies geschieht „au Battonage“, d.h. der Most wird täglich gerührt. Das soll den Wein runder und weicher machen. Hiernach erfolgt für 10 Tage eine zweite Gärung auf dem Trester des Amarone. Moment mal, Zweitgärung? Richtig, das ist eigentlich das Ripassoverfahren, allerdings müsste er länger auf dem Trester verbleiben, um hier auch Ripasso genannt zu werden. Nach der zweiten Gärung reift der Superiore für sechs Monate in kleinen Barriques sowie nach der Abfüllung nochmals 12 Monate auf der Flasche.

Allein die „Einstiegsdaten“ (Lage, rigorose Lese, Sortenwahl) lassen Großes erahnen. Und man wird nicht enttäuscht. Vor Ort und @home habe ich den 2016er Jahrgang des Superiore verkostet.

Im Glas prangt ein sattes Rubinrot mit leichten violetten Anklängen. Der ausreichend dekantierte und wohl temperierte Wein betört die Nase mit intensiven Gerüchen nach Kirsche, Pflaume, dunkler Schokolade und etwas herberen Düften nach Blaubeere und Waldmoos. Nach dem ersten Schluck auf der Zunge ein kleiner Schreck. Zu überraschend ist die ankommende Dichte an Aromen, die nach einer Runde im Mundraum quasi explodieren. Satte Kirsche, Pflaume und Brombeere zuvorderst, nach einer weiteren Runde auch Anklänge von Röstaromen, Karamell und Vanille. Das Ganze strukturiert von kräftigen, aber nie unangenehmen Tanninen. Der 2016er Superiore ist ja noch blutjung, da dürfen die Tannine ruhig noch etwas ungestüm sein. Im Abgang klingen die Aromen eine gefühlte Ewigkeit in höchst angenehmer Mischung nach. Der Übergang vom tatsächlichen Nachschmecken zu verzückter Erinnerung ist fließend.

Obwohl schon ein Knaller von einem Wein dürfte der Superiore der Tenuta Santa Maria Valverde ruhig noch einige Jahre lagern, um sein volles Potenzial zeigen zu können. Aber er ist schon jetzt, zusammen mit dem Superiore von Falezze, der beste Superiore, den ich bislang kosten durfte.

  • Tenuta Santa Maria Valverde Valpolicella Classico Superiore DOC
  • 60% Corvina und Corvinone, 20% Rondinella, 15% Oseleta und 5% Molinara
  • 13% Alkohol
  • Marano, Veneto, Italien
  • Zweitgärung auf dem Trester des Amarone
  • 6 Monate Reife im Barrique, 12 Monate Flaschenreife
  • http://www.tenutasantamariavalverde.it
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