Amarone della Valpolicella Antonio Castagnedi

Amarone della Valpolicella Antonio Castagnedi

Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich die Tenuta Sant Antonio im Osten des Valpolicella besucht hatte und genau so lange liegen einige der damals erworbenen Schätze im Keller. Einen habe ich nun „gehoben“ und erneut verkostet: den Amarone Selezione Antonio Castagnedi. Neben diesem produzieren die vier Brüder Castagnedi noch drei weitere Amarone: den Campo dei Gigli, Lilium Est und den Telos Amarone.

Amarone della Valpolicella Antonio CastagnediSeit meinem Besuch vor einigen Jahren ist die Tenuta Sant Antonio weiter gewachsen. Insbesondere im Soave-Bereich des Weingutes sind die Flächen und das Angebot weiter ausgebaut worden. Der Amarone Selezione Antonio Castagnedi ist aber das konservative Gegenstück zum kommerziellen Erfolg der leichten, nichtsdestotrotz sehr guten, Weißen (z.B. der Scaia) der Tenuta.

Zu Ehren des Vaters der heutigen Betreiber des Gutes trägt der Wein den Namen Antonio Castagnedi und ebenfalls ihm zu Ehren werden für ihn nur die besten Trauben der Top-Lagen am Monte Garbi verwendet. Die Reben dort sind alle nach dem Erwerb der Flächen 1989 neu gesetzt worden, sind also mittlerweile mindestens 25 Jahre alt. Dort wachsen neben den Klassikern des Valpolicella (Corvina, Corvinone, Oseleta, Rondinella) auch einige Parzellen mit Croatina, der auch Eingang in diesen Wein findet. Der magere, sandige, kalkhaltige und mit Schotter durchsetzte Boden, den man am Monte Garbi auf 300 Metern Höhe vorfindet, ist nicht optimal für die Reben. Aber der sorgsame Umgang mit dem Boden (nur Gründüngung, keine Pestizide) und die kluge Bepflanzung (mitunter enge Bepflanzung sowie ein dem Profil angepasster Wechsel zwischen Pergola und Guyot ) haben zu ordentlichen Mengen und qualitativ guten Trauben geführt.

Geerntet wird Ende September, natürlich per Hand, und für diesen Amarone streng selektiert. Wie beim Amarone üblich, trocknen die Trauben anschließend für drei Monate. Nach der sanften Pressung erfolgt die Gärung in großen Stahltanks. Die weitere Reifung erfolgt ungefiltert in 500 Liter Tonneaus aus französischer Eiche. Im ersten Jahr „au Bâtonnage“, d.h. die Schwebstoffe im Fass werden immer wieder aufgerührt. Nach insgesamt zwei Jahren im Fass erfolgt die Abfüllung.

Vor Ort und @home habe ich den 2011er Jahrgang des Antonio Castagnedi verkostet, von dem immerhin jedes Jahr ca. 80.000 Flaschen produziert werden. Er besteht aus vier dominanten Valpolicella-Reben: Corvina & Corvinone (70%), Rondinella (20%), Oseleta (5%) sowie 5% Croatina. Die Kombination mit Croatina ist im Valpolicela zugelassen, aber eher selten zu finden.

Dunkel rubinrot und sehr dicht liegt er im Glas. Das Bouquet bietet klassische Valpolicella-Aromen von Kirschen und Pflaumen, aber auch deutlich kräftigere Noten von Oliven, Sandelholz und Schokolade. Im Mund schließlich ist klar das Valpolicella zu erkennen, aber die Frucht ist wunderbar eingebettet in mineralische Aromen und kräftige, aber weiche Tannine. Der, durch den hohen Alkoholgehalt bedingte, bei einigen Amarone auftretende, zu süße Eindruck stellt sich hier nicht ein. Schöne Struktur mit zurückgenommener Säure und sorgsam balancierten Aromen. Ein insgesamt sehr vollmundiger runder Eindruck. Der Clou am Amarone Antonio Castagnedi ist aber der Abgang. Dieser hält vermeintlich ewig an, ein wunderbar langer Nachklang der Aromen. Alles in allem ein sehr sorgfältig produzierter Amarone, der mit Vollmundigkeit und Balance überzeugt und jetzt schon seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Er wird sich aber sicherlich noch einige Jahre im Keller halten. Der Bezug stellt aufgrund der großen Marktpräsenz der Tenuta Sant Antonio kein Problem dar.

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1 Kommentar

  1. laura hartung schreibt:

    Super interessanter artikel zu rotweinen. Danke dir 🙂

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