{"id":1389,"date":"2020-06-30T12:41:40","date_gmt":"2020-06-30T10:41:40","guid":{"rendered":"https:\/\/vocella.de\/?p=1389"},"modified":"2021-01-14T17:52:19","modified_gmt":"2021-01-14T16:52:19","slug":"wine-crime-tuchi-oder-einfach-selva-capuzza-san-martino-della-battaglia-doc-campo-del-soglio","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vocella.de\/index.php\/weine\/weissweine\/wine-crime-tuchi-oder-einfach-selva-capuzza-san-martino-della-battaglia-doc-campo-del-soglio\/","title":{"rendered":"Wine-Crime \u201eTuchi\u201c oder \u201eeinfach\u201c Selva Capuzza San Martino della Battaglia DOC Campo del Soglio"},"content":{"rendered":"<p>Die Geschichte \u00fcber diesen Wein und \u00fcber die zugrunde liegende Rebe ist eine Geschichte \u00fcber ein bis heute andauerndes Verwirrspiel um Namen, Weinmarketing, EU-Regelungen und inneritalienische Befindlichkeiten. Die Tuchi-Traube wird in der kleinsten DOC-Appellation Italiens, der San Martino della Battaglia DOC, angebaut, aktuell von einem guten Dutzend Winzer.<\/p>\n<p>Soweit so einfach. Die Tuchi hei\u00dft final so seit 2008. Fr\u00fcher firmierte sie unter Tocai oder Tocai Friulano, wobei sie absolut nichts mit den Tokai\/Tokaj\/Tokajer aus Ungarn zu tun hat. Aber von Anfang an. Nach dem aktuellen Wissensstand (Weingeschichte, DNA-Vergleiche) ist die Tuchi urspr\u00fcnglich eine Sauvignonasse aus dem S\u00fcd-Westen Frankreichs und wurde im 19. Jahrhundert in Nord-Italien eingef\u00fchrt und angebaut. Um von der Popularit\u00e4t des im 19. Jh. weit verbreiteten \u00f6sterreichisch-ungarischen Tokai zu profitieren, gab man der Rebe dreisterweise denselben Namen, sp\u00e4ter noch erg\u00e4nzt um den Zusatz Friulano. Nach Einf\u00fchrung der Rebe wurde sie schnell erfolgreich und eroberte weite Rebfl\u00e4chen vor allem in Nord-Ost-Italien. Von den Einheimischen wurde sie umgangssprachlich schon fr\u00fcher Tuchi genannt, was einer eher liebevollen Bezeichnung einer kleinen Sache gleichkommt, was wohl auf die recht kleinen Beeren abzielte.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" data-attachment-id=\"1393\" data-permalink=\"https:\/\/vocella.de\/index.php\/weine\/weissweine\/wine-crime-tuchi-oder-einfach-selva-capuzza-san-martino-della-battaglia-doc-campo-del-soglio\/attachment\/campo-del-soglio\/\" data-orig-file=\"https:\/\/vocella.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Campo-del-soglio.jpg\" data-orig-size=\"300,972\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;Picasa&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;1561136339&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"Selva Capuzza San Martino della Battaglia DOC Campo del Soglio\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/vocella.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Campo-del-soglio-185x600.jpg\" data-large-file=\"https:\/\/vocella.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Campo-del-soglio.jpg\" class=\"alignright wp-image-1393 size-medium\" src=\"https:\/\/vocella.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Campo-del-soglio-185x600.jpg\" alt=\"Selva Capuzza San Martino della Battaglia DOC Campo del Soglio\" width=\"185\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/vocella.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Campo-del-soglio-185x600.jpg 185w, https:\/\/vocella.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Campo-del-soglio-68x220.jpg 68w, https:\/\/vocella.de\/wp-content\/uploads\/2020\/06\/Campo-del-soglio.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/>Im 20. Jh. verlor der italienische Tokai deutlich an Bedeutung und Anbaufl\u00e4che und spielte nur eine untergeordnete Rolle. Im Zuge der EU-Harmonisierung dr\u00e4ngte Ungarn seit den 1980er Jahren mehr und mehr darauf, die Namensrechte f\u00fcr den Tokai exklusiv an Ungarn zu vergeben. Dieser Prozess zog sich \u00fcber etliche Jahre hin, in denen die betroffenen italienischen Winzer den Wein, trotz Verbot, einfach weiter Tocai friulano nannten. 2008 erhielt Ungarn dann final die Namensrechte und auch die italienischen Beh\u00f6rden achteten auf die Umsetzung derselben. Im Friaul wurde fortan einfach das Tocai weg gelassen und die Rebe Friulano genannt, dort spielt sie aber heute nur eine Nebenrolle.<\/p>\n<p>Die ehemals gro\u00dfen Anbaufl\u00e4chen in Venetien und der Lombardei waren auf sehr kleine Fl\u00e4che s\u00fcdlich des Gardasees geschrumpft und ohne den tatkr\u00e4ftigen Einsatz einiger weniger Winzer w\u00e4re sie heute vermutlich dort verschwunden. Zumal sie s\u00fcdlich des Gardasees mit dem popul\u00e4ren und erfolgreichen <a title=\"Lugana \u2013 Mehr als nur Hype\" href=\"https:\/\/vocella.de\/index.php\/2016\/09\/09\/lugana-mehr-als-nur-hype\/\">Lugana<\/a> konkurrieren muss. Nach einigen Jahren der quasi Namenlosigkeit wurde final 2014 die DOC-Appellation \u201eSan Martino della Battaglia\u201c geschaffen sowie dort der Rebe der Name Tuchi gegeben, welche zu 80% in den DOC-Weinen der Appellation enthalten sein muss.<\/p>\n<p>Einer der Winzer, die nicht von der Tuchi lassen wollten und sich f\u00fcr den neuen Namen und die DOC-Deklaration einsetzten war Selva Capuzza. Die Familie Formentino produziert dort heute auf ca. 25ha unter Reben rund 300.000 Flaschen. Neben der Tuchi werden noch Lugana, Groppello, Sangiovese, Barbera und Marzemimo angebaut. Ich hatte den Winzer und auch die Tuchi bereits vor einigen Jahren auf der ProWein kennen gelernt, ein intensiver Besuch hatte sich bislang leider nicht ergeben. Bei einer meiner Weinbestellungen ergab sich jetzt aber die M\u00f6glichkeit, den Tuchi von Selva Capuzza mit zu bestellen. So wurde der alte gute (aber kurze) Eindruck jetzt vertieft.<\/p>\n<p>Die Tuchi w\u00e4chst s\u00fcdlich des Gardasees in der Gemeinde Desenzano auf schwerem, lehmigem und steinigem Untergrund, allerdings klimatisch sehr durch die N\u00e4he des Gardasees beg\u00fcnstigt. Die Tuchi reift sehr fr\u00fch. Man muss den optimalen Erntezeitpunkt erwischen, sonst kann man nur noch einen Passito (S\u00fc\u00dfwein) keltern. Rechtzeitig geerntet besticht die Tuchi durch wenig S\u00e4ure, deutliche Mineralik und trotz fr\u00fcher Ente durch eine recht hohen Zuckergehalt. Wie bei vielen anderen Winzern, wird heute auch bei Selva Capuzza sehr auf die Qualit\u00e4t geachtet. Nach der Lese von Hand wird der Tuchi in gro\u00dfen Stahlf\u00e4ssern gekeltert und darf mit 13,5% Vol. noch ein Jahr auf der Flasche reifen.<\/p>\n<p>Verkostet habe ich aktuell die Jahrg\u00e4nge 2016 und 2018 des Top-Tuchi, des Campo del Soglio. Hell strohgelb, ja fast leuchtend, liegt er im Glas. Nur dezent gek\u00fchlt verstr\u00f6mt er D\u00fcfte von Birne, Aprikose und frischen Brioche, ein fast s\u00fc\u00dflicher Duft. Auf der Zunge gesellen sich noch Aromen von Limone und Feige hinzu. Leichte Kr\u00e4uternoten nach Kamille und Thymian erg\u00e4nzen die Frucht wunderbar. Bemerkenswert ist die S\u00e4urearmut. Gerade noch genug, um die Geschmacksknospen zu \u00f6ffnen und zu kitzeln. Eingebettet wird die vollmundige Frucht in eine \u00fcberraschend deutliche Mineralik. Wer bei den derzeit angesagten Lugana andere Fruchtaromen vermisst oder eine anst\u00e4ndige Mineralik oder auch einfach auf s\u00e4urearme Wei\u00dfe steht ist hier genau richtig. Tolle Fruchtaromen, sch\u00f6n in der Struktur mit der deutlichen Mineralik sowie niedliche S\u00e4urespitzen \u2013 ein toller Sommerwein und das zu einem sehr moderaten Preis von rund 12,- Euro.<\/p>\n<ul>\n<li>Selva Capuzza San Martino della Battaglia DOC Campo del Soglio<\/li>\n<li>100% Tuchi<\/li>\n<li>13,5% Vol. Alkohol<\/li>\n<li>Desenzano, Brescia, Italien<\/li>\n<li>1 Jahr Flaschenreifung<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.selvacapuzza.com\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener noreferrer\">https:\/\/www.selvacapuzza.com\/<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Geschichte \u00fcber diesen Wein und \u00fcber die zugrunde liegende Rebe ist eine Geschichte \u00fcber ein bis heute andauerndes Verwirrspiel um Namen, Weinmarketing, EU-Regelungen und inneritalienische Befindlichkeiten. 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