{"id":668,"date":"2017-03-27T19:50:48","date_gmt":"2017-03-27T17:50:48","guid":{"rendered":"https:\/\/vocella.de\/?p=668"},"modified":"2017-03-27T19:50:48","modified_gmt":"2017-03-27T17:50:48","slug":"primitivo-ein-leuchtturm-apuliens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/vocella.de\/index.php\/rebsorten\/primitivo-ein-leuchtturm-apuliens\/","title":{"rendered":"Primitivo &#8211; Ein Leuchtturm Apuliens"},"content":{"rendered":"<p><em>Ein Gastbeitrag von Tobias Strunz<\/em><\/p>\n<p>Primitivo ist eine dunkelschalige Traube und bekannt f\u00fcr fruchtige, farbintensive und mitunter auch opulente Weine. Manche Varianten weisen eine besonders hohe Konzentration und auch Gradation auf, darunter der Primitivo di Manduria und dessen S\u00fc\u00dfweinvariante Dolce Naturale. Der klassische Primitivo verf\u00fcgt \u00fcber hohen Alkoholgehalt sowie reichlich Gerbstoff, ist von intensivem Duft und tiefer Farbe. In der Manduria ist es nicht selten, dass die Weine 14% Alkoholgehalt oder mehr erreichen, die &#8222;aufgespritete&#8220; Liquoroso Variante erreicht auch leicht 18%. Trotz seiner Fruchtigkeit verf\u00fcgt Primitivo \u00fcber einen hohen Tanningehalt, was den Weinen mitunter eine leicht bittere Note verleiht. Diese wird mit zunehmender Reife auf der Flasche oder im Fass abgemildert. Demzufolge ist die Rebsorte nicht nur f\u00fcr den Ausbau im Holzfass geeignet, sondern zudem auch lagerf\u00e4hig.<\/p>\n<p>Obwohl es unz\u00e4hlige und langatmige Debatten \u00fcber den Ursprung der Rebsorte Primitivo gegeben hat, die Heimat des Primitivo ist definitiv in S\u00fcditalien zu finden &#8211; speziell in Apulien. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde die Rebsorte \u00fcber Kroatien nach Italien eingeb\u00fcrgert, denn dort jenseits des adriatischen Meeres wird Primitivo noch heute angebaut (und ist unter so zungenbrecherischen Namen wie Tribidrag und Crljenak Kasteljanski bekannt). Im fr\u00fchen 19. Jahrhundert wurde die Rebsorte auch in die Vereinigten Staaten importiert, wo sie bis heute unter dem Namen Zinfandel bekannt ist. In den USA ist die Rebsorte bis heute \u00e4usserst popul\u00e4r und erhielt in manchen Kreisen den Beinamen &#8222;Nationalrebsorte&#8220;. Die alte wie die neue Welt waren sichtlich konsterniert, als neuere DNA Analysen feststellten, dass es sich bei Zinfandel und Primitivo genetisch um ein- und dieselbe Sorte handelt.<\/p>\n<p>Die Beliebtheit der <a href=\"https:\/\/www.gerardo.de\/rebsorte\/primitivo\" target=\"_blank\">Primitivo Weine<\/a> in den vergangenen Jahrzehnten, gleicht einer Achterbahnfahrt: Anfang der 90er gab es weder eine nennenswerte Nachfrage noch erw\u00e4hnenswerte Primitivo Qualit\u00e4ten auf dem Markt. Durch die Bem\u00fchungen der EU, den Rebbestand zu reduzieren, wurden tausende Hektar Primitivo Weinberge stillgelegt. Zudem galt Primitivo als schwieriger zu kultivieren als andere Sorten, was den zur\u00fcckhaltenden Anbau noch unterstrich. Aber jenseits des Antlantik erfur der Zinfandel einen regelrechten Boom, was dem Primitivo ohne Zweifel auch zu neuer Anerkennung verhalf. Der moderne Primitivo, welcher seither entstand, ist nicht l\u00e4nger ein zweitrangiger Verschnittwein, sondern eine historische Rebsorte Apuliens. Primitivo ist heute fester Bestandteil vieler s\u00fcditalienischer Flagschiff-Weine.<\/p>\n<p>Der Name Primitivo l\u00e4sst sich grob mit &#8222;fr\u00fchreif&#8220; \u00fcbersetzen (eine interessante Verbindung zu Tempranillo, was dasselbe auf Spanisch bedeutet) und ist eine Referenz auf die fr\u00fche Reife der Trauben. Man k\u00f6nnte beinahe glauben, die Rebsorte sei aufgrund ihres Namens irgendwie &#8222;primitiv&#8220; &#8211; dieser scheinbare Zusammenhang ist jedoch reiner Zufall. Allerdings tut der rustikale Charakter des Primitivo auch nichts daf\u00fcr, um dieses Vorurteil aus dem Weg zu r\u00e4umen.<\/p>\n<p>Primitivo ist von seiner ganzen Anlage her eher ein Wein f\u00fcr die dunkle Jahreszeit: Besonders im Winter oder an regnerischen Tagen vor dem Kamin ist ein w\u00e4rmendes Glas von diesem vollmundigen Rotwein ein Hochgenuss. Auch zur festlichen Tafel, z.B. mit reichhaltiger Fleischk\u00fcche ist der Primitivo geeignet. Der Herzensw\u00e4rmer ist zudem ein wahrer Anpassungsk\u00fcnstler und kann somit auch problemlos zu einer einfachen Pasta Bolognese gereicht werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Gastbeitrag von Tobias Strunz Primitivo ist eine dunkelschalige Traube und bekannt f\u00fcr fruchtige, farbintensive und mitunter auch opulente Weine. 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