ProWein 2017

Too much Input – Mein Tag auf der ProWein 2017

Photo by Michael Sinne

Gestern habe ich das erste Mal die ProWein in Düsseldorf besucht: Europas größte Weinmesse, die zwei größten Hallen reserviert für italienische Weine. Man sollte meinen ich wäre im Himmel gewesen. Mitnichten, muss ich sagen. Nennt mich eindimensional oder sogar borniert, aber ich habe mir tatsächlich nur die zwei italienischen Hallen angesehen und nur mit italienischen Winzern gesprochen, aber selbst dafür reichte ein ganzer langer Tag auf der Messe nicht aus.

Jede Weinbauregion des Landes ist auf der Messe vertreten, die meisten mit eigenen Pavillons auf denen sich kleine Winzer und Offizielle des jeweiligen Weinbauverbandes finden. Dazwischen tummeln sich zahllose weitere Stände einzelner Winzer und von Importeuren und Händlern. Ein unübersehbares Angebot an Verlockungen und Möglichkeiten.

Vorausschauend wie ich bin, hatte ich mir natürlich einige Kandidaten herausgepickt, mit denen ich sprechen wollte oder deren Weine ich verkosten wollte. Aber wie das so ist mit guten Vorsätzen und Planungen, waren die schon nach kurzer Zeit Geschichte. Ich bummelte also interessiert in Halle 16 hinein. Kaum verzögerte ich auch nur den Bruchteil einer Sekunde den Schritt und wandte meinen interessierten Blick einem mir unbekannten Winzer und Wein zu, schon wurde mein Blick aufgefangen und eine freundliche Italienerin sprach mich an und bot mir an, die Weine zu kosten.
Zahllose dieser Begegnungen später am Ende des Messetages war mein ursprünglicher Plan endgültig Makulatur. Dafür hatte ich zahlreiche nette Gespräche hinter mir, einige neue Winzer für die nächste Reise auf der Liste, herzliche Wiedersehen mit einigen bekannten Winzern erlebt und mehr Verkostungen intus als mir gut taten.
Natürlich ließen wir den Tag abends beim heimischen Lieblingsitaliener ausklingen. „Möchten Sie einen Wein zum Essen?“ „No grazie!“

Einige der interessantesten Weineindrücke habe ich kurz notiert:

 

Zenato Lugana RiservaZenato Lugana Riserva 2014
Zenato gilt als einer der Vorreiter der Qualitäts-Luganas. Dieser Riserva von 2014 wurde im Holzfass vergoren und ausgebaut. Es folgten weitere Monate der Reifung im Tank und auf der Flasche. Fruchtig, aber nicht süß, prickelnd, mit feiner, aber deutlicher, Säure und merkbaren Gerbstoffen. Ein großer Lugana.

www.zenato.it

 

 


Bertani Amarone Classico

Bertani Amarone Classico 2008
Normalerweise sind die großen Namen ja nicht meine Baustelle, aber wenn man schon mal die Gelegenheit hat… Den vorhandenen 1958er Amarone (Der erste Amarone von Bertani) mochte man mir nicht anbieten, aber der 2008er war jetzt auch nicht so schlecht. Mit kräftigen Gerbstoffen und für einen Amarone mit dezenter Frucht versehen, ist der 2008 Bertani Amarone klar auf Lagerung ausgelegt. In 10 Jahren dürfte er nicht nur sein volles Potential ausschöpfen, sondern auch seinen Wert vervielfacht haben.

www.bertani.net


Lorenzo Begali Amarone Ca‘ Bianca

Lorenzo Begali Amarone Ca‘ Bianca 2011 und Tigiolo IGT
Zwei Mal stand Begali bereits auf meiner Besuchsliste, zwei Mal hatte es nicht hingehauen. Obwohl ich den 2011er bereits kannte, mochte ich mich gegen eine erneute Verkostung nicht wehren.
Mit 30% Rondinella-Anteil ist der Ca‘ Bianca ein außergewöhnlicher Kandidat im Valpolicella. Die Komposition von Frucht, Gerbstoffen und Alkohol dieses lagenreinen Amarone ist herausragend. Und weil das so ist, werde ich ihn demnächst hier intensiver beleuchten.
Wie viele andere Winzer auch bietet Begali einen IGT-klassifizierten Rotwein aus nicht autochthonen Rebsorten an. In diesem Falle aus Corvina, Cabernet Sauvignon, Rondinella und Merlot. Die Frucht wird dominiert von den klassischen Corvina-Aromen, in den Nebengeräuschen kommt aber merklich der Cabernet zum Tragen. Die kräftigen Gerbstoffe und dezente Säure machen das ganze erst rund. Sehr interessant.

www.begaliwine.it


Mazzei Castello di Fonterutoli Chianti Classico Gran Selezione

Mazzei Castello di Fonterutoli Chianti Classico Gran Selezione 2013
Mazzei ist das „Mutter-Weingut“ von Zisola auf Sizilien. Mit den toskanischen Kandidaten des Weingutes hatte ich mich bislang noch nicht befasst. Der „Gran Selezione“ ist selektiert aus den besten der 36 unterschiedlichen und separat verarbeiteten Sangiovese-Lagen des Gutes. Mit kräftigen Aromen, einer kräftigen Säure, schmeichelnden Tanninen und einem grandiosen Abgang ausgestattet, ist der Gran Selezione ein typischer wie auch exzellenter Vertreter seiner Region. Ich muss demnächst doch einmal die Toskana besuchen.

www.mazzei.it


Selva Capuzza Campo del Soglio

Selva Capuzza Campo del Soglio (Tuchi) 2015
Im Zuge meiner Lugana-Recherchen war ich auf dieses kleine Gut gestoßen. Besonders interessant ist der Umstand, dass Selva Capuzza eines von sieben Weingütern ist, die noch oder wieder die Tuchi-Traube anbauen. Ehemals Tokai heißend (die Namensrechte sind an Ungarn gegangen), war die Rebe in Italien früher deutlich weiter verbreitet. Heute ist das Tuchi-Gebiet (San Martino della Battaglia) inmitten des Lugana-Anbaugebietes die kleinste DOC-Apellation Italiens. Geschmacklich erinnert der Campo del Soglio schon an einen Lugana, aber die Frucht nimmt sich deutlich zurück und lässt Platz für mehr Mineralik und Säure. Auch diesen Kandidaten werde ich vor Ort genauer unter die Lupe nehmen.

www.selvacapuzza.com


Tenute Ugolini Valle Alta Amarone

Tenute Ugolini Valle Alta Amarone 2013
Ugolini steht auch schon länger auf meiner Agenda. Warum? Ugolini ist einer von immer mehr Winzern, die vollständig auf Öko-Landbau setzen. Von der Arbeit in den  Weinbergen bis zur Verarbeitung des Weines. Die einzelnen Weine von Ugolini tragen alle den Namen des Weinberges aus dem die jeweiligen Trauben stammen. Der Valle Alta ist von rubinroter Farbe, mit floralen und fruchtigen Duftnoten. Auf der Zunge dominieren Kirsche, Sauerkirsche, Trockenpflaumen sowie Zimt und Muskat. Sehr strukturierter Wein mit vollem rundem Aroma. Ein klassischer guter Amarone eben. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

www.tenuteugolini.it

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