Sonnenaufgang im Weinberg

Nach der Ernte im Valpolicella

Photo © by Michael Sinne

Nach zwei Jahren (Corona bedingter) Pause, konnte ich nun endlich wieder in mein heiß geliebtes Italien reisen. Und natürlich musste ich in „meinem“ Valpolicella nach dem „Rechten sehen“. Außergewöhnlich und interessant – das erste Mal im Oktober nachdem die meisten Winzer gerade ihre Ernte beendet hatten. Überall standen die Hallen und Dachböden voll mit Trauben zur Trocknung. Die Stahlbottiche alle wohl gefüllt mit frisch gärendem Classico.

Marzadro DestillationsbottichDistilleria Marzadro
Erneut bei Marzadro vorbei geschaut. Alle Destillations-Anlagen liefen auf Hochtouren, alles blubberte, tropfte und dampfte. Ein unbeschreiblicher Geruch hing in der Luft. Viertelstündlich kam ein LKW mit Trester in den Hof. Das nimmermüde Team von Marzadro hatte schon wieder einen Haufen Neuigkeiten in petto: Grappa in Rum-Fässern ausgebaut (omg), Grappa in Whiskey-Fässern ausgebaut sowie zwei neue Gin-Sorten.
https://marzadro.it/

Agriturismo Casa Zen
Natürlich wieder bei Ilenia und Franco untergebracht. Mittlerweile sind die beiden mit zwei Oliven-Ölen im Gambero-Rosso des Öls vertreten. Auch wein-technisch weiter auf dem Vormarsch. Der Classico schon tadellos, der Ripasso und der Amarone benötigen noch 3-4 Jahre im Keller, versprechen aber danach enormes Potential. Und erste vielversprechende Experimente mit Recioto.
Weit über allem schwebt aber die Herzlichkeit und Gastfreundschaft der beiden. http://www.agriturismocasazen.it/

Corte Bravi
Erste Neuentdeckung des diesjährigen Trips. Zwei Brüder stellen den Betrieb des Vaters seit 2011 auf biologischen Weinbau um. Jetzt werden so langsam die ersten Meriten verdient. Die komplette Valpolicella-Linie plus zwei Überraschungen: „Vivace“ – ein unfiltriert abgefüllter Schaumwein aus Corvinone. Der arbeitet noch, ist also quasi ein Pet-Nat. Sowie der „Timido“ – ein „blanc de noir“ aus Rondinella und Molinara. Dürfte absolutes Alleinstellungsmerkmal im Valpolicella sein. Überraschend würziger Weißwein. Über die Winzer und die Weine werde ich natürlich später intensiver berichten. https://www.cortebravi.com/de/

Dann noch einige Wiederholungsbesuche bei bekannten Winzern, um die Bestände aufzufüllen und Neuigkeiten zu testen.

Speri
Wie immer über alle Zweifel erhaben. Der aktuelle Amarone spielt wieder in der Champions-League. Grandios! Nochmal etwas Recioto gebunkert für das kommende Special. Trotz Corona und Krise in der Gastronomie und dem Wein-Tourismus weigert Speri sich beharrlich, seine Preise nach oben zu schrauben. Einfach unfassbar zu welchen Kursen, die ihre Weine anbieten. Preis/Leistung at it‘s best. https://www.speri.com/

La Dama
Nachwievor einer der besseren Classicos. Hingefahren bin ich aber eigentlich, um den Grappa zu holen 😉 Klarer Grappa, nicht im Barrique ausgebaut, aber trotzdem sooo mild, weich und aromatisch. https://www.ladamavini.it

Falezze
Winzer wie Luca Anselmi, welche nahezu ausschließlich an die Gastronomie liefern, haben die letzten zwei Jahre besonders hart getroffen. Dennoch oder vielleicht auch gerade deswegen, schiebt Luca ein Projekt nach dem nächsten an. Sein letztes Baby – der Oseleta – ist jetzt eigentlich fertig. Sehr limitierte Stückzahl, da dürften vermutlich überhaupt keine Flaschen in den freien Verkauf gehen. Das Cuveé aus Oseleta und Corvinone ist unfassbar komplex in der Aromatik. Einerseits klassisches Valpolicella, andererseits wieder so gar nicht. Zwar komplex, aber nicht auf eine akademische Art und Weise, so dass nur Sommeliers etwas davon hätten – nein das ist Trinkvergnügen pur für den anspruchsvollen Weinkenner. Projekte in der Pipeline: Ein Amarone Riserva, sowie ein noch geheimes Projekt. Nur soviel – es wird in der Flasche gären ;-o.

http://www.falezze.it/

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