Tenuta di Castellaro

Tenuta di Castellaro – Nero Ossidiana

Photo by Tenuta di Castellaro

Auf der Suche nach weiteren Bio-Winzer-Kandidaten war ich im Frühjahr während der ProWein am Stand von Vinaturel auf Tenuta di Castellaro gestoßen. Bereits bei der Kostprobe vor Ort konnten mich die Weine sofort überzeugen. Nun habe ich mir den Nero Ossidiana noch einmal in Ruhe „zur Brust genommen“. Der Vorzeige-Rotwein der Tenuta trifft auf mehrere meiner persönlichen Filter zu: Bio-Wein, autochthone Rebsorte, eher unbekanntes wenngleich auch spektakuläres Anbaugebiet und das alles natürlich in Italien. Wenn auch die Entstehung des Weingutes nicht meinen üblichen Vorlieben entspricht, so trifft dies auf die Leidenschaft und das Qualitätsbewusstsein der Betreiber voll und ganz zu.

Die Tenuta die Castellaro wurde vom Unternehmer Massimo Lentsch unter der Führung des Konsortiums „i Vigneri“ quasi neu zusammengestellt und steht heute beispielhaft für die Renaissance des Weinbaus auf den Liparischen Inseln. Auf insgesamt rund 8ha setzen die Betreiber ausschließlich auf einheimische Rebsorten. Der Großteil der Flächen und auch das Gutsgebäude befinden sich auf der Hauptinsel Lipari. Auf teils spektakulären Lagen werden die Reben sehr dicht gepflanzt (9.000 Pflanzen pro Hektar). Teils kräftige Winde, hohe Tag-Nacht-Temperaturunterschiede und hohe Tagestemperaturen bieten klimatisch nicht ganz einfache Bedingungen, an welche die einheimischen Sorten aber seit Jahrhunderten gewöhnt und angepasst sind. Auf stark mit Mineralien und Spurenelementen angereichertem Bimsstein-Untergrund vulkanischen Ursprungs wachsen Corinto Nero, Nero d‘Avola, Malvasia und Carricante auf sehr kleinen Parzellen auf etwa 350m über Meereshöhe, gezogen ausschließlich im buschigen Albarello-Stil.

Nero OssidianaFür den Nero Ossidiana werden zu 70% Corinto Nero und 30% Nero d‘Avola verwendet. Die Corinto wird schon lange auf auf den Liparischen Inseln angebaut, war für die Produktion aber fast schon in Vergessenheit geraten. Man vermutete lange eine ägäische Herkunft der Rebe, nicht zuletzt wegen des Synonyms Tuccarino, welches sprachlich auf eine türkische Herkunft hindeutet. Eine Namensähnlichkeit schien ebenfalls ein Beleg für die Verwandtschaft zur in Apulien angebauten Tuccanese zu sein. Neuere DNA-Analysen bestätigten nicht nur die Verwandtschaft zur Tuccanese, sondern erwiesen auch eine absolute Übereinstimmung der Gene. Verblüffender aber war die genetische Übereinstimmung mit der Sangiovese aus der Toskana. Wenngleich die genetische Duplizität zur Sangiovese als erwiesen gelten darf, so unterscheidet sich die Corinto in der DNA doch geringfügig. Das ist wohl auf den jahrhundertelangen Einfluss von Viruserkrankungen auf das Erbgut der Sorte zurückzuführen.

Nach der von Hand vollzogenen Ernte und Selektion dürfen die Trauben lange auf der Schale gären. Nach Abschluss der ersten Gärungsphase wird der noch unfertige Wein in Fässer gefüllt, in denen die malolaktische Gärung erfolgt. Nach 8 Monaten im Fass wird schließlich mehrfach umgefüllt. Hierbei setzen sich jedes Mal die Trübstoffe ab und es kann auf eine weitere mechanische oder sogar chemische Klärung des Weines verzichtet werden. Abgefüllt verbleibt er mit 13,5% Vol. zur weiteren Reife 12 Monate in der Flasche bevor es in den Verkauf geht.

Verkostet habe ich den 2012er Jahrgang des Nero Ossidiana. Dicht und dunkelrot mit einem leichten Stich ins Bräunliche liegt er im Glas. Ausreichend dekantiert sollte er schon sein. Dann dringen zunächst fruchtige Noten an die Nase. Dunkle Beeren, vor allem Brombeere, daneben duftige Kräuter, fast heuartig. Ein fruchtig-gemüsiger Duft mit leichten Würznoten nach Anis und der Schale von reifen roten Äpfeln. Fast könnte man an Rotkohl denken. Ein vielschichtiges Bouquet, dass neugierig macht. Auf der Zunge kommen die fruchtigen Aromen nach Brombeeren und Blaubeeren wieder durch. Das ist wohl der Nero d‘Avola, der da spricht. Würzige, leicht pfeffrige Aromen gesellen sich hinzu. Wieder duftige Kräuter sowie Anis, Muskat und feine Gerbstoffe. Hier kommt der Corinto als Quelle ins Spiel. Dieses feine Spiel zwischen Frucht- und Gewürzaromen sowie mit den Gerbstoffen und einer leichten frischen Säure ist ein absoluter Genuss und hält auch im Abgang recht lange.

Ein feiner, wohl strukturierter Wein, der nur in vergleichsweise kleiner Auflage produziert wird. Das schlägt sich leider auch im Preis wieder. Zumal seit dem Frühjahr Robert Parker den Wein sehr hoch bewertet hat. Was aber auch sein Gutes hat, vertreiben doch mittlerweile etliche Händler den Nero Ossidiana zu Preisen zwischen 22 – 25,- Euro.

  • Tenuta di Castellaro – Nero Ossidiana
  • 70% Corinto Nero, 30% Nero d’Avola
  • 13,5% Alkohol
  • Lipari, Sizilien
  • Fermentation auf der Schale
  • 12 Monate Flaschenreife
  • http://www.tenutadicastellaro.it/
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