Der Keller der Corte Cavedini

Corte Cavedini Amarone

Photo © by Michael Sinne

Ich kann mich nicht erinnern welchen Jahrgang des Amarone ich vor einigen Jahren im „Al Bersagliere“ genossen habe, als ich auf Corte Cavedini aufmerksam wurde. Ich bin mir aber fast sicher, dass es ein älterer Jahrgang war. Aktuell verkostet habe ich den 2014er, welchen ich vor Ort bei meinem Besuch 2019 auch gekostet hatte. Warum ist das von Belang? Zum Einen kam er mir bei der 2019er Verkostung noch etwas ungestüm und tatsächlich zu jung vor und ich habe ihn nun etwas „beruhigter“ erwartet. Zum Anderen war das Jahr 2014 für das Valpolicella kein gutes Jahr. Es war ein extrem regnerisches, feuchtes Jahr, bis in den Winter hinein. Das bedeutet, dass die Trauben normalerweise nicht die Qualität sonniger Jahrgänge erreichen. Wenn die Trauben für den Amarone manuell, also ohne vollklimatisierten Trocknungsraum, trocknen sollen wird es zusätzlich schwierig: Die Trocknung geht zu langsam vonstatten und es bilden sich schneller Schimmel und Fäulnis in den Trauben. Aus diesem Grund haben viele Winzer keinen 2014er Amarone produziert. Was machst du aber, wenn du ein kleiner Familienbetrieb bist, der sich den Ausfall eines Amarone-Jahrganges nicht leisten kann….?

Lage – Produktion – Vinifizierung

Corte Cavedini Amarone della ValpolicellaDie Trauben für den Amarone entstammen ausschließlich von den Flächen oberhalb des Gutsgebäudes auf ca. 140 – 180m Höhe. Die gepflanzten Reben sind mit 25-30 Jahren noch recht jung und vollständig im Guyot-System gezogen. Bei einer Süd-Ost Exposition muss hierbei schon recht dicht gepflanzt werden, damit die Trauben nicht vertrocknen, wobei das 2014 das kleinere Problem war. Der Boden im Marcellise-Tal ist aber reich an Schotter und gut wasserdurchlässig, so dass zumindest Staunässe keine zusätzlichen Probleme verursachte.

Für den Amarone zum Einsatz kommen neben den klassischen Corvina, Corvinone, Rondinella und Oseleta noch Croatina und Merlot. Letztere sind zum Anbau im Valpolicella generell zugelassen und dürfen in einem Amarone bis zu 5% der Traubenmenge ausmachen. Croatina habe ich schon gelegentlich im Amarone „gesehen“, aber Merlot ist im klassischen Amarone die Ausnahme.

Die rund 8ha der Familie Cavedini werden ab Ende September ausschließlich per Hand geerntet. Die Trauben für den Amarone trocknen dann bis Anfang Januar, werden sanft vermahlen und gehen bei 23-25°C in die Gärbottiche. Vergoren wird auf der Schale. Während der 30-tägigen Gärperiode wird mehrfach umgewälzt und umgepumpt. Für 24-28 Monate reift der Amarone noch in großen Tonneuau, für 12 weitere Monate auf der Flasche.

Verkostung

Vor Ort (2019) und @home (2021) habe ich den 2014er Corte Cavedini Amarone verkostet. Tief rubinrot mit violetten Reflexionen leuchtet mir der Amarone im Glas entgegen. Ein deutliches Bouquet nach Kirsche, Brombeere und schwarzer Johannisbeere, begleitet von Vanille und frischen Gartenkräutern. Im Mundraum wiederholen sich die Aromen, nur weicher und feiner als befürchtet. Kräftige Tannine gesellen sich dazu. Alles eingebettet in so eine samtig dämpfende „Nuss-Nougat-Ahnung“. Für meinen Geschmack hätte es hier keinen Merlot gebraucht, auch die fetten 16% Alkoholgehalt kommen mir zu deutlich raus. Dennoch ist das in diesem Falle passend, da der Wein doch eher Amarone-untypisch daherkommt und definitiv auf eine lange Lagerung ausgelegt ist.

Also vertraut mir, wenn ich sage: Kaufen, aber nicht trinken! Zumindest nicht gleich, sondern erst in 4-5 Jahren. Für den prompten Genuss in Sachen Corte Cavedini empfehle ich den Ripasso!

Corte Cavedini Amarone della Valpolicella DOCG

  • Corvina, Corvinone, Rondinella, Oseleta, Croatina, Merlot
  • 16% Alkohol
  • Marcellise/San Martino Buon Albergo, Valpolicella, Italien
  • 24-28 Monate Reifung in Tonneuau, 12 Monate Flaschenreife
  • https://www.cortecavedini.it/
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