Azienda Agricola Falezze

Azienda Agricola Falezze

Photo by Michael Sinne

Bevor ich etwas über die Azienda Agricola Falezze schreibe und wie wir das Weingut und die Weine entdeckt haben, möchte ich kurz erzählen wie ich normalerweise Weingüter für einen Besuch auswähle.
In der Regel grase ich mehrere Quellen ab, um Weingüter für die nächste Tour zu finden. Anhaltspunkte sind Empfehlungen anderer Weinliebhaber oder anderer Winzer, Besprechungen in Weinführern wie dem SlowWine Italien oder dem Gambero Rossi oder auch besonders gelobte Weine oder Winzer guter Weinhändler. Falezze wurde in keinem dieser Quellen besprochen oder auch nur erwähnt. Über Falezze bin ich bei Facebook „gestolpert“. Wie bekannt empfiehlt Facebook gelegentlich Seiten, die für das jeweilige Profil von Interesse sein könnten und in meinem Profil fand ich dann den Hinweis auf die Seite von Falezze. Von da aus ein Klick zur ansprechenden offiziellen Webseite von Falezze und schon war das Interesse geweckt.
Wir haben die Azienda Agricola Falezze 2014 besucht und auch das war wieder einem Zufall geschuldet. Zumeist bereisen wir das Valpolicella im späten Frühjahr. Ich arbeite vorher die Liste der zu besuchenden Winzer aus und los geht’s. An diesem Tag hatten wir eigentlich mehrere andere Winzer auf der Agenda, hatten jedoch nicht bedacht, dass italienischer Nationalfeiertag war und somit alle Geschäfte und viele Weingüter geschlossen waren. Es bedurfte einiger Telefonate und schnell waren einige Winzer (etwas weiter hinten auf meiner Liste) gefunden, die geöffnet hatten und in eine Tour passten, darunter Falezze.

Wir waren ja schon einiges gewöhnt an schwer zu findenden Weingütern, aber Falezze war wirklich knifflig. Erst die direkte Abholung durch Sofia und Luca Anselmi, den Inhabern, verhalf uns zum Genuss. Sofia spricht hervorragend Englisch, was sehr hilfreich war, da mein Italienisch noch arg zu wünschen übrig lässt.
Sofia und Luca betreiben das Weingut in dritter Generation. Lucas Großvater erwarb das Land nach dem zweiten Weltkrieg. Es liegt im schönen Illasi-Tal, ca. 18km von Verona entfernt.

Es ist altes Land, auf dem schon sehr lange Wein angebaut wird. Der Name Falezze leitet sich vom Gebiet ab, in dem die Weinberge liegen. Sofia und Luca verfügen über einige der ältesten Weinstöcke (über 80 Jahre) im Valpolicella-Gebiet. Weinstöcke dieses Alters liefern zwar nicht mehr die Menge an Trauben, sind aber robuster was die Jahreszeiten und (fehlende) Niederschläge angeht und liefern eine überraschende Qualität. Zwar wurde schon lange in Lucas Familie Wein angebaut, jedoch nur zum Eigenbedarf. Ein Teil der Trauben wurde, wie bei vielen kleinen Weinbauern, an andere Winzer oder die Genossenschaft verkauft. Erst seit 2008 vermarkten Sofia und Luca die Weine eigenständig und unter eigenem Namen und Label. Die gesamte Arbeit auf dem Weinberg und am Wein findet in der Familie statt, keiner der Arbeitsschritte ist ausgegliedert oder an Dritte vergeben.
Zur Zeit produziert Falezze ca. 1.000 Flaschen Valpolicella Superiore, ca. 5.000 Flaschen Ripasso, rund 4.000 Flaschen Amarone und seit kurzem auch einige Hundert Flaschen Recioto. Ihr seht, ein sehr kleiner Betrieb. Wie bei den meisten Winzern im Valpolicella, stehen auch bei Falezze zwischen den Parzellen zahlreiche Oilvenbäume. Das Öl kann ebenfalls gekostet und gekauft werden (unbedingt kosten!). Im Frühjahr 2015 wurde mit dem Bau eines neuen Weinkellers auf dem Gelände begonnen, der mittlerweile fertig sein sollte.

Sofia und Luca Anselmi vom Weingut Falezze

Sofia und Luca Anselmi vom Weingut Falezze

Was ist das Besondere an Falezze und seinen Weinen? Zunächst einmal die überaus herzliche und freundliche Art und Atmosphäre mit der Sofia und Luca ihre Besucher empfangen. Ich habe mich selten in einem Weingut so willkommen gefühlt. Zum Zweiten wären da die Weine. In den nächsten Beiträgen werde ich auf den Ripasso und den Amarone von Falezze detailliert eingehen. Die Weine, allein die Stückzahl lässt es ahnen, sind nicht billig, aber das Preis-Leistungsverhältnis ist einfach überragend. Die beiden arbeiten mit Herzblut und sehr hohen Qualitätsansprüchen an ihre Weine, was man mit jedem Tropfen schmeckt. Im Mai 2016 werden wir sie wahrscheinlich wieder besuchen und ich bin jetzt schon gespannt auf den nächsten Qualitätssprung.

 

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