Kurz angetrunken

Kurz angetrunken: Zensa Fiano Puglia

Puh, jetzt muss ich aber über meinen Schatten springen. Kein kleiner Familienbetrieb mit liebevoller Handarbeit, sondern ein Weinkonzern mit 15 verschiedenen Gütern im Besitz. Wie konnte das passieren? Nun, ich habe den Fiano des Weingutes Zensa (unter dem Dach von Orion Wines) aus Apulien gekostet und er hat mich absolut überzeugt. Dann habe ich den Handelspreis gesehen und ich war noch überzeugter.
Die Orion Gruppe betreibt in Italien 15 verschiedene Weingüter. Vom Veneto im Norden bis nach Sizilien im Süden über das ganze Land verteilt. Chef-Önologe Alessandro Michelon überwacht die Produktion und hat bei der Komposition der Weine das letzte Wort. Herauszuheben dabei ist die Tatsache, dass alle Orion-Weingüter nach Bio-Standards produzieren. Alleine auf den Flächen in Apulien produziert Orion Wines Weine unter acht verschiedenen Labels!

Zensa Fiano PugliaDie Trauben für den Zensa Fiano werden im Salento, also im Süden Apuliens angebaut. Es handelt sich um recht junge Reben, ca. 15 Jahre alt.

Über die Rebsorte

Die Fiano ist ein sehr alte autochthone Rebsorte, die heute quasi im gesamten südlichen Italien angebaut wird. Prominente Kandidaten sind hier die Fiano di Avellino aus Kampanien und dem Cilento oder die Exemplare des Gutes Planeta aus Sizilien. Nachgewiesenermaßen seit dem 13. Jahrhundert in Italien angebaut, verschwand die Fiano fast völlig von der Bildfläche und erlebte erst Ende der 70er / Anfang der 80er-Jahre ein grandioses Comeback in Italien. Dabei ist die Fiano wüchsig,  recht robust, durch die dicke Schale wenig anfällig gegen Mehltau und ergibt vielfältige Arten an Wein, je nach Lage, Terroir und Ausbau. Von leicht und fruchtig bis hin zu nussigen, würzigen Noten ist alles möglich. Der Zensa Fiano ist einer der eher fruchtigen Kandidaten.

Die Verarbeitung

Nach der Ernte Ende September wird bei kontrolliert niedriger Temperatur in Edelstahl auf der Schale vergoren. Nach Ende der Gärung verbleibt der Zensa Fiano rund eine Woche zur Beruhigung in einem weiteren Edelstahltank. Keine besonders aufwändige Vinifizierung und auch eher nicht für eine längere Lagerung der Flaschen gedacht. Um so überraschender das Endprodukt, welches unterstreicht, welches Aromenpotenzial in der Fiano steckt.

Wie er mir schmeckt

Fast klar, nur leicht hell strohgelb liegt er im Glas. In die Nase kommen Düfte nach Birne, Melone, Honig und sehr flüchtige Zimtnoten. Im Mundraum wird das Fruchtportfolio noch breiter. Zur Birne und Melone gesellen sich Aromen von Mandarinen und Fenchel, sowie leichte Sommerkräuter. Dazu eine erfrischende dezente Säure und eine angenehme milde Mineralik. Tannine sind allerdings kaum merklich. Das fällt aber durchaus nicht negativ ins Gewicht, es ist ein fruchtiger spritziger Kandidat, der absolut zu gefallen weiß. Klar ist das kein Wein, um den man stundenlang kreisen und diskutieren muss. Aber für knapp 6,- € finde ich weit und breit keine vergleichbaren Kandidaten. Zur Zeit zu erhalten z.B. bei galperino.de oder vipino.de.

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