Osar Titel

Masi Osar, sortenreiner Oseleta

Photo Copyright by Masi

Der Osar von Masi ist ein seltener Exot im Valpolicella. Die Rebsorte Oseleta, aus der der Osar gewonnen wird, wird häufig und viel angebaut und ist auch Bestandteil der meisten im Valpolicella produzierten Weine. Allerdings ist der Anteil an Oseleta in den Cuvées nie höher als 10%. Zum einen weil die DOC/DOCG-Deklarationen es vorschreiben, zum anderen aufgrund der sehr eigenen Charakteristik der Oseleta. Die Beeren der Oseleta weisen eine sehr dicke Schale auf, was zu einem sehr hohen Gerbstoffanteil im Wein führt. Auf der anderen Seite haben sie aber einen recht hohen Zuckergehalt. Diese zwei Eigenschaften in Kombination mit anderen Rebsorten macht die Komposition recht schwierig. Wer eine Oseleta pur gekostet hat, wird den einzigartigen kräftigen Charakter beim nächsten Ripasso oder Amarone jederzeit wiederfinden.

Masi OsarWegen der beschriebenen Eigenschaften der Oseleta wird sie sehr selten sortenrein ausgebaut. Mir sind Masi und Zymé bekannt, Luca Anselmi von Falezze arbeitet an einem vielversprechenden Oseleta-dominierten Cuveé. Den Osar von Masi konnte ich im letzten Jahr in der exzellent sortierten Weinhandlung „Signorvino“ in Verona erstehen.

Der Weinbaubetrieb Masi wurde Ende des 18. Jahrhunderts von der Familie Boscaini gegründet. Der Betrieb ist immer noch in Familienhand und ist heute einer der größten und erfolgreichsten Weinbaubetriebe Italiens. Neben dem Stammsitz im Valpolicella besitzt man heute Rebflächen in vielen renommierten Anbaugebieten Italiens sowie in Übersee. Mit einer Gesamtfläche von rund 640ha produziert Masi eine fast unübersehbare Menge an Weinen mit einer Gesamtproduktion von ca. 4.2 Millionen Flaschen. Unter anderen eine Serie von limitierten Spitzenweinen unter dem Label „Cantina Privata“. In dieser Serie wird auch der Osar vermarktet.

Ich kostete den 2007er Osar, der in einer Auflage von 5.200 Flaschen aufgelegt wurde. Der Osar besteht zu 100% aus Oseleta und reift nach Abschluss der Gärung zwei Jahre in jungen oder neuen Barrique und kommt mit 14% Vol. in die Flasche. Nur kurz dekantiert gibt der Osar schnell deutlich zu verstehen, dass er ausführlicher belüftet werden möchte. Das Bouquet und der Geschmack sind sehr kräftig und tanninlastig. Also habe ich dem Wein noch ein Stündchen gegeben. Im Glas prangt der Osar dunkelrot und selbst im Gegenlicht fast undurchdringlich. Kräftige Duftnoten von Holunder, Brombeeren, Waldboden und Pfeifentabak schlagen der Nase entgegen. Bei der Zungenankunft schmeckt man die Fruchtnoten noch deutlich. Auch hier wieder Holunder, Brombeeren und Blaubeeren. Hinten auf der Zunge sowie im Abgang kommen dann aber die Gerbstoffe der Oseleta und das Barrique deutlich zum Vorschein. Die Fruchtnoten treten im langen Abgang sehr zurück. Dafür bleibt eine fast balsamische Melange aus Restfrucht, Gerbstoffen und Säure zurück. Kräftig, aber nie aufdringlich, nie zuviel. Ein fantastische Balance. Erstaunlich lediglich die doch eher dezente Mineralik, aber das dürfte den Böden im Classico-Gebiet geschuldet sein. Die einzigartigen Eigenschaften der Oseleta derart „einzufangen“ und in die Balance zu bringen – das ist einfach nur groß! Über einige wenige wohl sortierte Online-Händler ist der Osar auch in Deutschland erhältlich. Aber Vorsicht, die Limitierung und die Machart haben ihren Preis.

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