Im Keller der Azienda Agricola Manara

Rosso del Veneto Guido Manara

Photo by Manara

Ein Rosso del Veneto aus dem Valpolicella ist an sich nichts besonderes. Im Regelfall wird so jeder Wein benannt, der nach den Kriterien des Consortio nicht als DOC oder DOCG einzuordnen ist. Entweder aufgrund der Verteilung der klassischen Rebsorten Corvina, Rondinella und Oseleta oder weil die verwendeten Rebsorten zwar zum Anbau im Valpolicella zugelassen sind, aber nicht in erhöhter Menge verwendet werden dürfen. Es haftet also irgendwie immer ein kleiner Makel an diesen Weinen, was aber im Grunde nichts über den Geschmack oder die Qualität aussagt.

Nun, hier liegt der Fall etwas anders. Die drei Söhne Fabio, Lorenzo und Giovanni Manara, die die Azienda Agricola Manara seit den 90ern leiten,  haben diesen Wein zu Ehren ihres Vaters Guido kreiert und nach ihm benannt. Soweit die sentimentale Seite des Weins, das eigentlich besondere ist aber die Produktion und Zusammensetzung.

Rosso del Veneto Guido Manara

Der Guido Manara setzt sich zusammen aus 70% Cabernet Sauvignon, 20% Merlot und 10% Croatina. Nicht ein Tropfen der heimischen Rebsorten? Der ortsansässige Trinker mag jetzt die Nase rümpfen und ihn einen Exportwein schimpfen, aber genau betrachtet sind alle Valpolicella-Weine Exportweine. Fast 70% der im Valpolicella produzierten Weine werden ins Ausland verkauft. Aber zurück zum Guido Manara.

Die Tatsache der Kelterung aus „globalen“ Rebsorten ist die eine Besonderheit, die zweite ist die Produktionsweise. Diese ist angelehnt an die Produktionsweise des Amarone. Wie beim Amarone werden die Trauben nach der Lese zunächst getrocknet (Apassimento). Zwar nicht die beim Amarone vorgeschriebenen 120 Tage, aber immerhin 45 Tage. Der Cabernet Sauvignon ist ein sehr guter „Transporteur“ der Bodencharakteristik, bringt also die regionalen Besonderheiten des Terroir mit in den Wein. Zudem ist er aufgrund der späten Reifung der Trauben bestens für das milde Klima des Classico-Gebietes geeignet. Merlot ist der ideale Begleiter des Cabernet Sauvignon, da er den Wein früher trinkbar und vollmundiger macht. Zudem harmoniert der Merlot gut mit einem Ausbau in Barrique. Die Kombination Cabernet-Sauvignon & Merlot findet man z.B. in vielen herausragenden Rotweinen aus dem Bordeaux.
Angebaut werden die drei verwendeten Sorten lagen-rein auf einem Südhang der Gebrüder Manara in etwa 250m über Meereshöhe. Nach der Trocknung folgt die sanfte, aber kurze Mazeration der Trauben. Er gärt anschließend für bis zu 25 Tage in Edelstahltanks bei kontrollierter Temperatur. Nach Ende der Gärung hat der Wein einen Alkoholgehalt von 15,5% erreicht. Die Reifung des Guido Manara erfolgt für 24 Monate in französischen Barriques. Auf der Flasche darf er dann noch einmal 6-12 Monate reifen, bevor er in den Verkauf kommt.

Vor Ort und @home habe ich den 2010er Jahrgang verkostet. Fast undurchsichtig, tief dunkel rubinrot mit leichten violetten Anklängen unterscheidet er sich zunächst optisch stark vom Amarone. Düfte von Brombeere, schwarzer Johannisbeere, Pflaume und dunkler Schokolade dominieren das kräftige Bouquet. Einer sanften und weichen Ankunft auf der Zunge folgen sehr kräftige Aromen auf der Zunge. Zu den beschriebenen Aromen des Bouquet gesellen sich noch Vanille, Zeder und eine kräftige, aber nicht übertriebene Mineralik. Nach dem Aromenknaller bietet der Guido Manara einen lang anhaltenden weichen, fast samtigen, Abgang, ohne die Aromatik zu verlieren. Die Aromen unterscheiden sich natürlich von einem Amarone, da fehlen z.B. die deutlichen Kirscharomen, aber die Aromencharakteristik zeugt vom Apassimento und vom Fassausbau. Ein großartig produzierter Wein, reich an Extraktstoffen, der mit den Amarone des Hauses durchaus mithalten kann.

Analog zur Amarone-Ripasso-Kombination wird vom Guido Manara auch ein „Zweitaufguss“ produziert: der Gaiardo Rosso del Veneto. Für diesen werden 50% Corvina und Corvinone, 30% Cabernet Sauvignon und 20% weitere Sorten verwendet. Er wird ganz normal gekeltert und im Dezember nochmals mit dem Trester des Guido Manara vergoren, was wie beim Ripasso, den Alkoholgehalt und die Aromendichte erhöht.

Vom Guido Manara werden pro Jahr nur 3.000 Flaschen produziert und diese landen leider selten im Online-Handel. Auf der offiziellen Webseite von Manara kann man zwar über einen Shop alle Weine bestellen, der Shop ist aber für Besteller aus Italien ausgelegt. Für einen Versand nach Deutschland kommen deutlich höhere Versandkosten hinzu. Im Online-Handel wird der Guido Manara um die 30,- € gehandelt, vor Ort ist er deutlich darunter zu erwerben.

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