Sartori Regolo Rosso Veronese IGT

Photo by Michael Sinne

Was bringt mich, einen Liebhaber kleiner Bio-Weinbaubetriebe, dazu, einen Winzer oder richtiger einen Großbetrieb zu erwähnen, der pro Jahr über 16 Millionen Flaschen produziert? Ich bin damit quasi am anderen Ende der Qualitätskette angekommen. In der Reihe meiner Rebsortenportraits werde ich ab jetzt auch einige der vortrefflichen Vertreter dieser Reben, sozusagen „in der Flasche angekommen,“ vorstellen. Das wird nicht immer ganz einfach werden, da gerade im Falle des Valpolicella die Cuvées dominieren und reinsortige Tropfen keine DOC-Klassifizierung besitzen. Da muss man dann schon mal genauer suchen und ich täte das nicht, wenn die Weine die dabei herauskommen nicht auch exzellent und damit absolut erwähnenswert wären.

Sartori Regolo16 Millionen Flaschen sind eine Größenordnung, die ein Weinbaubetrieb nicht allein im Valpolicella generieren kann. Sartori deckt das gesamte Veneto ab: Valpolicella, Bardolino, Soave und Custoza und darüber hinaus Betriebe im Friaul und in der Toscana. Nichtsdestotrotz ist Sartori auch ein Traditionsunternehmen, das seit dem 19. Jh. im Weinbau tätig ist und bei allem kommerziellem Erfolg, insbesondere im Export (75%), die Qualität nicht vernachlässigt.

Der Regolo wird zu 100% aus Corvina-Trauben gewonnen, die im Classico-Gebiet in der Nähe des Sartori-Stammhauses bei Negrar angebaut werden. Der Regolo ist durchaus kein einfacher Wein, wie die Klassifizierung als IGT vermuten lassen könnte. Es ist einfach so, dass alles, was nicht den DOC-Richtlinien des Valpolicella Consorzio Tutela Vini entspricht, automatisch als IGT eingestuft wird, also lediglich als „typisch für die Region“. In diesem Falle mehr als zutreffend, ist doch die Rebe nicht nur „DIE“ Rebe des Valpolicella, sondern auch das Herstellungsverfahren ein typisches für die Region. Der Regolo wird nämlich im Ripasso-Verfahren produziert. Nach der Lese werden die Trauben sanft gemahlen und für 8-10 Tage vergoren. Anschließend wird der halb vergorene Corvina auf der Maische des Amarone erneut vergoren, genau wie beim Ripasso. Nach Abschluss dieser zweiten Gärung reift der Regolo für 18-24 Monate in großen Eichenfässern bevor er nach sechs weiteren Monaten in der Flasche in den Verkauf gelangt.

Bei diversen Restaurantbesuchen in und um Verona herum habe ich den 2010er und den 2011er verkosten dürfen, @home durfte ich den Jahrgang 2012 geniessen. Im Glas prangt ein kräftiges Granatrot, in der Nase dominieren Kirsche, Waldbeeren und Vanille. Bei der Ankunft auf der Zunge noch dezent, breitet sich schließlich eine dichte Aromenfülle im Mund aus. Wieder die Kirsche, Waldbeeren, Pflaume, Trockenfrüchte, Feige sowie Anklänge von Vanille und Marzipan. Gepaart mit kühler Mineralik und den merkbaren Tanninen ergibt sich ein runder, ja fast samtiger Gesamteindruck, der sanft aber lang anhaltend abgeht. Die dominant fruchtige Charakteristik der Corvina wird beim Regolo wohltuend ergänzt durch die dezenten zusätzlichen Aromen der Zweitgärung. Vor allem der zweijährige Fassausbau dämpft die Fruchtdominanz und bringt dem Regolo erst seine komplexe Aromenstruktur, seine Tiefgründigkeit, ohne die Corvina dabei zu verleugnen.

Der Regolo wird seit vielen Jahren produziert, gilt als eines der Flaggschiffe des Hauses Sartori und wurde zahlreich prämiert. Aufgrund der Bekanntheit des Weines und seines Erfolgs, ist er auch in Deutschland bei zahlreichen Händlern und Shops zu erhalten.

  • Sartori Regolo Rosso Veronese IGT
  • 100% Corvina
  • 13,5% Alkohol
  • Valpolicella Classico-Gebiet, Negrar
  • 18-24 Monate Fassreife
  • 6 Monate Flaschenreife
  • http://www.sartorinet.com/de/

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