Tenuta le lune del vesuvio

Tenuta le Lune del Vesuvio

Photo © by Michael Sinne

So langsam macht mir Corona zu schaffen. Einfach weil mir langsam, aber sicher, die vorzustellenden Winzer ausgehen. Es ist jetzt bereits das zweite Jahr in dem ich keinen Winzer in Italien besuchen konnte. Also greifen wir auf das Jahr 2019 zurück. In selbigem verbrachten wir einen Urlaub in Kampanien, genauer gesagt am Golf von Sorrent.

Bei dem straffen Programm der zu besuchenden Sehenswürdigkeiten (Neapel, Vesuv, Pompeji, Amalfiküste, Capri und und und..) blieb nur wenig Zeit für Winzerbesuche. Auf einem musste ich aber bestehen: die Tenuta le Lune del Vesuvio. Ich hatte den Chef des Gutes – Andrea Forno – ein Jahr zuvor auf der ProWein in Düsseldorf kennengelernt und dort auch bereits einige seiner Weine verkosten können.

Kampanien

ist eines der ältesten und wohl auch eines der berühmtesten Weinbaugebiete in Italien, wenn man bis auf die Antike zurück geht. Neapel und die weiteren antiken Städte der Region Kampanien gehen allesamt auf griechische Gründung zurück, die dort auch den Weinbau etablierten. Die Römer führten das weiter, allerdings begann bereits zu römischen Zeiten der Weinbau in der Region gegenüber anderen italienischen Weinbaugebieten an Glanz zu verlieren. Der verheerende Ausbruch des Vesuv im Jahre 79 n. Chr. verwüstete den größten Teil der landwirtschaftlichen Flächen in Kampanien, insbesondere rund um den Vesuv. Davon hat sich der Weinbau sehr lange nicht erholt. Noch heute gelten die meisten Weine aus der Region als eher leicht und flach. Eine Ausnahme stellten die DOCGs Kampaniens dar, hier vor allem der „Fiano di Avellino“, die Taurasi Aglianico oder auch der „Greco di Tufo“. In den letzten Jahren hat der Lacryma Christi, ein Cuvee aus Piedirosso und Aglianico, an Renommee gewonnen, spielt aber nicht in derselben Liga wie die Toscaner, Barbera/Barbaresco oder der Amarone, um nur einige zu nennen.

Das Weingut

Nachdem wir also morgens den Vesuv erklommen hatten, stand für den Nachmittag der Besuch der Tenuta an, welche sich an den auslaufenden Süd-Ost-Hängen des Vesuv befindet. Gegründet wurde der Familienbetrieb in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts von Großvater Andrea. Heute führen mit Andrea und Salvatore zwei der Enkel das Weingut. Neben dem Wein baut die Familien noch Tomaten an, betreibt einen kleinen Reitstall und bietet Ferienwohnungen an.
Für den Weinbau stehen rund 7ha Fläche zur Verfügung, aus denen ca. 200.000 Tsd. Flaschen produziert werden. Die Rebflächen, auf ca. 250-300 Metern Höhe gelegen, bestehen ausschließlich aus lockerem, fast schwarzem und extrem fruchtbarem Boden vulkanischen Ursprungs. Neben der Fruchtbarkeit ist der Vulkanboden auch ein guter Wasserspeicher, so dass selbst in heißen Sommern nicht gewässert werden muss.

Die Tenuta konzentriert sich hinsichtlich der Rebsorten auf lokale Sorten, so z.B. Piedirosso, Aglianico, Falanghina und Coda di Volpe. Gezogen werden die Reben zwar in einem Drahtrahmen, allerdings eng bepflanzt und in einer eher buschigen Wuchsform. Durch das daraus folgende dichte Wachstum ergibt sich mehr Schatten und weniger Durchlüftung, was die Verdunstung der Pflanzen reduziert und die Trauben vor dem Verbrennen schützt. In Süd-Ost-Exposition mit sehr heißen Sommern eine wichtige Maßnahme.

Die Weine

Die Tenuta le Lune del Vesuvio produziert nicht weniger als zehn Weine (ausschließlich Bio) im Rahmen der „del Vesuvio“-Denomination und im Rahmen der (größeren) Kampanien-Denomination. Die DOC-Deklaration „del Vesuvio“ besteht erst seit 1983 und für andere DOCs des übergeordneten Gebietes Kampanien kommen die Flächen am Vesuv aufgrund der räumlichen Eingrenzungen der Gebiete nicht in Frage. Bleiben noch die einfachen IGP/IGT. Auf die Besonderheiten der einzelnen Deklarationen werde ich in den später folgenden Einzelbesprechungen der Weine der Tenuta detaillierter eingehen.
Beim ausführlichen Besuch der Tenuta, konnten wir alle Weine verkosten. Dabei waren absolut keine Ausfälle (bei den Weinen) zu verzeichnen, Muscari, O Cuognolo und Cratere hatten aber klar die Nase vorn.

Weine der Tenuta le lune del vesuvio

Photo © by Tenuta le lune del vesuvio

Ausblick

Ein extrem fruchtbarer Boden, reichlich Sonne, gute Lagen und viele gute lokale Rebsorten, dazu mehr und mehr engagierte junge Winzer und mit den Fiano di Avellino und den Taurasi Aglianico ein paar echte Qualitäts-“Zugpferde“ – Klingelt da was? Für mich liegen die Parallelen zur Ätna-Region auf der Hand. Die Ätna-Weine gewinnen immer mehr an Renommee und räumen mittlerweile reihenweise Prämierungen und Höchstbewertungen ein. Klar, die Vesuv-Region hinkt dieser Entwicklung etliche Jahre hinterher, aber das Potential für eine ähnliche Entwicklung ist aus meiner Sicht absolut gegeben.

Muscari Lacryma Christi del Vesuvio Rosso DOC
Piedirosso & Aglianico, 13%, ca. 200-250m Höhe, auf Vulkanboden, buschig im Spalier gezogen, jeweils handverlesen und selektiert, Ernte Ende Oktober.

Janesta Lacryma Christi del Vesuvio Bianco DOC
Coda di Volpe & Falanghina, 13%, ca. 200-250m Höhe, auf Vulkanboden, buschig im Spalier gezogen, jeweils handverlesen und selektiert, Ernte Anfang Oktober.

Vigna Rosa Lacryma Christi del Vesuvio Rosato DOC
100% Piedirosso, 13%, ca. 200-250m Höhe, auf Vulkanboden, buschig im Spalier gezogen, jeweils handverlesen und selektiert, Ernte Ende September.

Cratere Rosso Lacryma Christi del Vesuvio DOC
80% Piedirosso, 20% Aglianico, 13,5%, ca. 200-250m Höhe, auf Vulkanboden, buschig im Spalier gezogen, jeweils handverlesen und selektiert, Ernte Ende Oktober.

Cratere Bianco Lacryma Christi del Vesuvio DOC
70% Coda di Volpe, 23% Falanghina, 13,5%, ca. 200-250m Höhe, auf Vulkanboden, buschig im Spalier gezogen, jeweils handverlesen und selektiert, Ernte Anfang Oktober.

O Cuognolo Piedirosso Pompeiano IGP
100% Piedirosso, 13%, ca. 200-250m Höhe, auf Vulkanboden, buschig im Spalier gezogen, jeweils handverlesen und selektiert, Ernte Mitte Oktober.

Donna Carolina Coda di Volpe Pompeiano IGP
100% Coda di Volpe, 13%, ca. 200-250m Höhe, auf Vulkanboden, buschig im Spalier gezogen, jeweils handverlesen und selektiert, Ernte Mitte September bis Anfang Oktober.

Luna Rossa Aglianico Campania IGP
100% Aglianico, 12,5%, ca. 200-250m Höhe, auf Vulkanboden, buschig im Spalier gezogen, jeweils handverlesen und selektiert, Ernte Ende Oktober.

Luna Turchese Falanghina Campania IGP
100% Aglianico, 12,5%, ca. 200-250m Höhe, auf Vulkanboden, buschig im Spalier gezogen, jeweils handverlesen und selektiert, Ernte Ende Oktober.

Tenuta le Lune del Vesuvio
Terzigno, Neapel, Kampanien, Italien
ca. 7ha Anbaufläche,
rund 200.000 Flaschen Produktion
Reben: Piedirosso, Aglianico, Falanghina, Coda di Volpe,
Produkte: Vesuvio DOC, Pompeiano IGP, Campania IGP

http://www.lelunedelvesuvio.it/

 

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