Piccoli Amarone della Valpolicella Monte La Parte

Piccoli Amarone „Monte La Parte“

Photo by Michael Sinne

Nach einem halben Jahr der Existenz meines Wein-Blogs und einigen Berichten über andere Weine aus der Region will ich nun endlich einen Amarone besprechen. Was einen guten Amarone ausmacht und worauf es bei der Produktion desselben ankommt, habe ich in meinem Feature über den Amarone ausführlich dargelegt. Nun schauen wir mal, wie das in der Realität ausschaut. Beginnen möchte ich mit dem Piccoli Amarone.

Piccoli Amarone della Valpolicella Monte La Parte

Bereits beim Besuch des Weingutes Società Agricola Piccoli Daniela und der Verkostung des Amarone vor Ort sind mir einige positive Fakten aufgefallen. Im Gespräch mit den Betreibern des Weingutes hat sich der Eindruck verfestigt, dass dort mit sehr viel Liebe zum Produkt gearbeitet wird. Nun, Liebe allein reicht nicht. Konkrete Maßnahmen werden dort ebenfalls umgesetzt: Den ganzen Sommer über werden die Triebe ausgegeizt und Trauben entfernt, um den verbliebenen Früchten mehr Energie zukommen zu lassen. Nur sanfte mechanische Methoden zur Unkraut und Schädlingsbekämpfung werden eingesetzt.

Komponiert wird der Piccoli Amarone aus 40% Corvina, 25% Corvinone, 30% Rondinella (ungewöhnlich hoher Anteile dieser alten Sorte) sowie 5% Oseleta und Croatina. Angebaut werden alle diese Sorten lagenrein auf dem Monte La Parte auf einem mageren Kalk-Tuff-Boden.

Nach der Ernte werden die Trauben nochmals selektiert. Nur die besten werden für den Amarone verwendet und wandern in die Trocknung. In den offenen und nicht klimatisierten Trocknungsräumen verbleiben die Trauben mehr als 3 Monate und werden dort sanft und schonend getrocknet bis sie ca. 60% des Wassers verloren haben. Nach der kalten Mazeration (hierbei „schmoren“ die gemahlenen Trauben für 15 Tage „im eigenen Saft“) startet der Gärprozess in großen Stahltanks bei konstant 20°C. Dieser hält ungefähr einen Monat an, anschließend wird der „rohe“ Amarone in 500 Liter fassende Eichenfässer abgefüllt und verbleibt dort für mindestens fünf Jahre. Vorgeschrieben sind nur zwei! Vor der Flaschenabfüllung verbleibt der Wein noch einige Monate in Stahltanks, um sich zu beruhigen. In der Flasche reift der Piccoli Amarone ein weiteres Jahr, bevor er mit einem Alkoholgehalt von 15,5% in den Verkauf geht.

Vor Ort und auch @home habe ich den 2010er Jahrgang des Amarone verkostet. Nachdem ich von fünf Jahren Fassreife wusste, war ich sehr gespannt wie die Balance von Gerbstoffen, Alkohol und  Aromen ausfallen würde. Im Bouquet entfaltet der Wein die klassischen Valpolicella-Aromen nach reifen dunklen Früchten wie Kirsche und Pflaume. Daneben bieten sich der Nase Düfte von Vanille, Schokolade und Anklänge von frischen Kräutern.

Schon bei der Ankunft (auf der Zunge) entfaltet der Piccoli Amarone seine starken Aromen von Kirsche, dunkler Schokolade, schwarzer Johannisbeere und beeindruckt mit seinen eleganten Gerbstoffen und einem wohl balancierten Alkoholeindruck, um schließlich lang anhaltend abzugehen. Das tolle an diesem Wein ist, dass die nach fünf Jahren Fassreife zu erwartenden kräftigen Tannine nicht einfach nur mit Alkoholeindruck „zugeschüttet“ werden, sondern ein fast perfektes Zusammenspiel der Aromen, den Gerbstoffen und dem Alkoholeindruck gelingt. Wow! Die Qualität des Weines ist nicht verborgen geblieben. Bei der diesjährigen Mundus Vini Frühjahrsverkostung wurde der Piccoli Amarone mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Leider ist der Wein nur vor Ort zu erwerben, mir ist kein überregionaler Händler bekannt, der diesen Wein oder diesen Winzer vertreiben würde. Für einen Tipp diesbezüglich wäre ich dankbar!

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