Bio-Weingut Azienda Agricola Monte Dall‘ Ora

Photo by Michael Sinne

Ich betreibe diesen Blog als Hobby und nutze jede Gelegenheit, in meinem heiß geliebten Valpolicella „vorbeizuschauen“ und sei es auch nur kurz. So ergab sich vergangenen Sommer die Möglichkeit, „mal eben“ aus Österreich herüber zu fahren und das Weingut Monte Dall‘ Ora zu besuchen. Verabredet war ich mit Alessandra Zantedeschi (die des Englischen mächtig ist), die Führung und Verkostung wurde dann aber von ihrem Mann Carlo Venturini geleitet, der allerdings nur Italienisch spricht. So wurde der Besuch nicht nur ein Wein-Highlight, sondern auch eine ernste, aber erfolgreiche Probe für mein Italienisch.

Malerisch an einer kleinen Landstraße zwischen San Pietro in Cariano und Pedemonte (also mitten im Classico-Gebiet) gelegen, bezog das Weingut seinen Namen vom gleichnamigen Hügel, auf welchem es ansässig ist – dem Monte dall‘ Ora. Der Name hat nichts mit Gold zu tun, sondern mit Wind. Der aus westlicher Richtung vom Gardasee durch das Tal ziehende warme Wind wird von den Einheimischen Ora genannt und eben jener Hügel wird von diesem Wind umweht, was für ein einzigartiges Mikroklima sorgt.

Seit 1995 wird das Gut von Alessandra und Carlo betrieben. Von Anfang an wurden die Weinberge und die Gebäude nach biologisch-dynamischen Grundsätzen umgebaut und in Stand gesetzt. Die alten Steinmauern (Marogne) wurden wieder aufgebaut und wo nicht mehr vorhanden wurden in und an den Weinbergen wieder Mischkulturen mit Obst-, Mandel- und Olivenbäumen angelegt.

Im Wesentlichen besteht das Gut aus drei Anbauflächen. Die Hauptfläche direkt am Gut befindet sich auf 150-200m Höhe, eine weitere befindet sich etwas südlich davon in Castelrotto sowie eine kleinere Fläche in Sant‘ Ambrogio. Allen Flächen gemein ist der eiszeitlich überformte Kalk-Tuff-Boden mit hohem Geröllanteil. Die zusammen rund 9ha unter Reben ergeben eine Jahresproduktion von ca. 40.000 Flaschen. Angebaut werden Corvina, Corvinone, Rondinella, Molinara, Oseleta, Dindarella und Croatina. Bei den Pflanzen handelt es sich zumeist um mit 50-70 Jahren recht alte Rebstöcke. Wie bereits erwähnt rein biologisch-dynamisch ohne Kunstdünger- oder Pestizideinsatz. Ganz den alten Methoden verhaftet werden die Reben ausschließlich in der klassischen Veroneser Pergola gezogen.

Hier gärt der Amarone

Im Weinberg und im Keller wird sehr viel Wert auf eine traditionelle Verarbeitung gelegt. Mit viel Zeit, Handarbeit und Liebe zum Produkt werden die Trauben auch nach der Lese bedacht. Als besonderes Beispiel sei hier der Amarone von Alessandra und Carlo genannt. Die Trauben für den Amarone werden noch in Holzkisten auf dem Dachboden getrocknet. Sind sie bereit, gemahlen zu werden, werden sie nicht etwa maschinell gemahlen, sondern höchstpersönlich von Carlo nach alter Väter Sitte im Fass mit den Füßen gepresst. Anschließend darf die Maische auf den Schalen im Tonneuau gären und reifen. Ganz ohne Zugabe von künstlichen Hefen nur der Spontanfermentation überlassen.

Neben dem Amarone werden noch ein Ripasso, Recioto, ein Valpolicella Superiore und Valpolicella Classico produziert, die ich samt und sonders verkosten konnte. Alle Weine sind von sehr guter bis herausragender Qualität, ganz klassisch ausgebaut und lange gereift. Hier wird keiner Mode nachgehangen, das ist Valpolicella klassischer Prägung. Hier einen der Weine herauszupicken fällt mir schwer, aber der Amarone und der Ripasso sind überragend und haben sich eine Einzelbetrachtung (in Kürze) verdient.

  • Amarone della Valpolicella Classico DOCG Stropa, (50% Corvina, 20% Corvinone, 20% Rondinella, 10% Molinara, Oseleta & Croatina, jeweils handverlesen, 5 Monate Trocknung, 4 Jahre Fassreife, 1 Jahr Reifung auf der Flasche, 16% Alkohol)
  • Valpolicella Classico DOC Ripasso Sausto, (40% Corvina, 30% Corvinone, 20% Rondinella, 10% Oseleta & Croatina, jeweils handverlesen, 5 Monate Trocknung, 6 Monate Fassreife, 10 Monate Reifung auf der Flasche, 14,5% Alkohol)
  • Recioto della Valpolicella Classico DOC Sant‘ Ulderico, (40% Corvina, 30% Corvinone, 20% Rondinella, 10% Molinara, Croatina & Dindarella, jeweils handverlesen, 4 Monate Trocknung, 12 Monate Fassreife, 12 Monate Reifung auf der Flasche, 14% Alkohol)
  • Valpolicella Classico Superiore DOC Camporenzo, (40% Corvina, 30% Corvinone, 20% Rondinella, 10% Molinara & Oseleta, jeweils handverlesen, 4 Monate Fassreife, 13,5% Alkohol)
  • Valpolicella Classico DOC Saseti, (40% Corvina, 30% Corvinone, 20% Rondinella, 10% Molinara & Oseleta, jeweils handverlesen, 5 Monate Reifung im Stahltank, 12% Alkohol)

Leider sind die Weine von Monte Dall‘ Ora kaum bis gar nicht im deutschen Handel erhältlich. Eine Ausnahme stellen der Amarone und der Ripasso dar, die seit kurzem bei Vipino erhältlich sind.

FaktenMonte Dall‘ Ora

Lage: Castelrotto, Valpolicella Classico Gebiet
Fläche: ca. 9ha Anbaufläche
Menge: rund 40.000 Flaschen Produktion
Weine: Valpolicella Classico, Superiore, Ripasso, Amarone, Recioto

http://montedallora.com

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